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Freiwillige schnuppern internationales Flair in Frankfurt

Wer einen Freiwilligendienst im Haus der Jugend  absolviert, hat täglich Kontakt mit Gästen aus aller Welt. Doch der Arbeitsalltag in einer großen Jugendherberge bietet auch viele Herausforderungen.

An einem verregneten Apriltag stürmt eine Gruppe junger Engländer durch eine große, weiße Eingangstür. Der Empfangsbereich ist hell beleuchtet. In der Mitte steht eine Theke, an der rechten Wand hängen Fotos mit Motiven aus aller Welt. Die Engländer sammeln sich vor der Rezeption, alle reden durcheinander. Freundlich und ruhig erklärt eine junge Frau, wo sich die Zimmer befinden und wann es Frühstück gibt.

Die junge Frau heißt Julia Appel und ist 18 Jahre alt. Sie macht im Frankfurter Haus der Jugend ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). „Man hat hier in der Jugendherberge sehr viel Kontakt mit Gästen aus der ganzen Welt und kann seine Fremdsprachenkenntnisse einsetzen“, erzählt Julia. Das sei auch der Grund gewesen, warum sie sich gezielt am Haus der Jugend beworben habe.

Auch Oxana Martevaia mag den Kontakt mit fremden Kulturen. Die 26-jährige Moldawierin absolviert ebenfalls ein Freiwilliges Soziales Jahr in Frankfurt: „So viele Touristen aus den verschiedensten Ländern kommen zu uns“, erzählt sie und lächelt begeistert. „Es ist jeden Tag spannend!“

Gäste aus aller Welt

Rund 40 Prozent der Gäste im Frankfurter Haus der Jugend kommen aus dem Ausland. Gute Englischkenntnisse werden deshalb vorausgesetzt. Man müsse außerdem offen und tolerant sein, erklärt Lolita König, die stellvertretende Leiterin der Frankfurter Jugendherberge: „Denn man trifft hier ganz viele verschiedene Mentalitäten und Charaktere!“

Neben Schulklassen und Studentengruppen kommen auch Messegäste und Individualreisende. Herausforderungen im Umgang mit Gästen gehören genauso zum Arbeitsalltag in einer Jugendherberge wie der Spaß an der internationalen Atmosphäre. Manchmal brauche man eben auch einfach Nerven, erzählt König. Damit hat Julia Appel bereits ihre eigenen Erfahrungen gemacht. Mit manchen Gästen sei die Kommunikation schwierig, manche wären unfreundlich. „Man muss einfach versuchen ruhig zu bleiben und sich nicht anzulegen“, erzählt die junge Frau. Doch nach und nach lerne man den Umgang mit solchen Gästen.

Freiwilligendienst als Bereicherung

Wer ein FSJ am Haus der Jugend absolviert, ist nicht nur an der Rezeption tätig. Auch die Küche, die Werkstatt, die Tagungsräume oder die Hausreinigung gehören zu den Einsatzfeldern der Freiwilligen. Der Vorteil: „Wir sind überall im Haus beschäftigt und lernen dadurch, wie hier alle Dinge zusammen funktionieren“, sagt Oxana Martevaia.

Lolita König findet, dass die Freiwilligen das Haus auf eine besondere Weise bereichern. Früher waren vor allem Zivildienstleistende am Haus der Jugend beschäftigt. „Den Zivildienst gibt es nun nicht mehr und jetzt haben wir das FSJ“, erklärt König. „Das ist eine noch größere Bereicherung, weil die FSJler aus Interesse herkommen und nicht einfach, weil sie verpflichtet sind, irgendeinen Dienst zu machen. Sie suchen sich das wirklich aus.“

Sieben junge Menschen haben jedes Jahr die Möglichkeit, im Haus der Jugend in Frankfurt ein Freiwilliges Soziales Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst zu machen. Die 20-jährige Clara Sell hat sich dort beworben, weil sie nach der Schule nicht gleich mit dem Studium beginnen wollte. „Man lernt Verantwortungsbewusstsein und wird selbstbewusster“, erzählt sie, „es bringt einem unglaublich viel!“

Viele junge Menschen nutzen das Freiwillige Soziale Jahr, um sich nach der Schule zu orientieren und ihre Berufswünsche zu sortieren. Gleichzeitig ist es auch eine gute Möglichkeit, den eigenen Horizont und die eigenen Fähigkeiten zu erweitern. Auch Julia Appel hat viel gelernt während ihrer Zeit im Haus der Jugend: „Es ist für mich jetzt einfacher geworden, auf Menschen zuzugehen“, sagt sie. Deshalb würde sie es auch auf jeden Fall empfehlen, ein FSJ zu machen: „Es ist einfach etwas ganz anderes als Schule und man sammelt sehr viele Erfahrungen, die auch fürs Berufsleben wichtig sein können.“

Pädagogische Seminare runden den Einsatz ab

Neben der Arbeit im Haus der Jugend profitieren die Freiwilligen auch von Seminaren, die vier Mal im Jahr stattfinden. Der Paritätische Wohlfahrtsverband organisiert das erste Seminar, doch bereits das zweite Seminar können die Freiwilligen in Eigenregie gestalten. Dazu suchen sich die rund 30 Teilnehmer ein Thema aus einem vorgegebenen Themenkatalog heraus, beispielsweise „Körperarbeit“ oder „Erlebnispädagogik“. Ein Organisationsteam bereitet dann bis zum nächsten Seminartermin dieses Thema vor. Neben der fachlichen Weiterbildung erhalten die Freiwilligen hier zudem die Möglichkeit, auch mit Teilnehmern aus anderen Einrichtungen Kontakte zu knüpfen. „Gestern habe ich mich mit einem Mädchen aus meiner Seminargruppe getroffen, die ich dann auch in ihrer Einsatzstelle besucht habe“, erzählt Julia Appel. Da sie nicht aus Frankfurt komme, sei sie froh, über die Seminargruppen weitere Kontakte knüpfen zu können.

Mittlerweile ist es fast 23 Uhr, der große Trubel hat sich gelegt und am Rezeptionstresen von Julia ist nicht mehr viel los. Auch Schichtdienst gehört für die Freiwilligen zum Alltag. Der Frühdienst beginnt um 6:45 und dauert bis etwa 15 Uhr, der daran anschließende Spätdienst dauert bis 23 Uhr. Julia hat bald Feierabend. Zwei Spanier kommen durch die Tür und erkundigen sich nach den Frühstückszeiten. Sie haben den ganzen Tag in Frankfurt verbracht und verschwinden mit einem erschöpften Lächeln im Treppenhaus.

Julia nimmt ihren Schlüssel und macht sich auf den Weg nach Hause. Sie hat es nicht weit. Während sie das FSJ am Haus der Jugend absolviert, kann sie auch dort wohnen. Zimmertür zu, Licht aus. Morgen ist wieder ein neuer Tag mit Gästen aus aller Welt.